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Artikel in der Neuen Westfälischen
vom 31.08.2005:
Gaspreis-Kritiker
wundern sich
Bürgermeister Heinz Paus bricht eine Lanze für Kommunen als
Wettbewerber
VON HANS-HERMANN
IGGES
Paderborn. Reiht
sich Paderborns Bürgermeister Heinz Paus in die Allianz der Gaspreis-Kritiker
ein und unterschreibt die „Paderborner Erklärung“,
in der hunderte von Unterzeichnern die Preispolitik des Energieversorgers
Eon-Westfalen-Weser anprangern? Wohl eher nicht.
Trotzdem würde
das die Bürgerinitiative „Gaspreise runter“ begrüßen.
Sie meint Anlass dafür zu haben: Grund sind jüngste Äußerungen
von Bürgermeister Heinz als neuer Präsident des nordrhein-westfälischen
Städte- und Gemeindebundes. Wie berichtet, hatte dieser sich gegen
eine Verschärfung des Kommunalwirtschaftsrechtes in der NRW-Gemeindeordnung
gewandt, die nach Plänen der neuen Landesregierung private Wettbewerber
bei gleicher Qualität bevorzugt wissen will. In dem Zusammenhang
wurde Paus am Montag in einer Presseerklärung des Städte-
und Gemeindebundes zitiert: „Gerade in Sparten wie dem Energiemarkt,
der zu Konzentration und Monopolbildung neige, wirke sich die Aktivität
der Stadtwerke preisdämpfend im Dienste der Endverbraucher aus.“
Solch eine Äußerung
hatten die Gaspreiskritiker, die inzwischen aus allen politischen Lagern
stammen, offenbar ausgerechnet von Paus nicht erwartet. Immerhin hatte
der Bürgermeister seinerzeit den vom Rat im Dezember 2001 beschlossenen
Verkauf der Paderborner Stadtwerke – und damit der Wasser- und
Gasversorgung – für rund 100 Millionen Euro an den Eon-Westfalen-Weser-Vorgänger
Pesag in einem zwei Jahre währenden Verhandlungsmarathon durchgesetzt.
Seinerzeit nannte Paus den Vertrag einen „Meilenstein für
die Stadt“. Die Verträge sicherten nicht nur einen „starken
und preisgünstigen Engergieversorger vor Ort, sondern auch ein
hohes Maß an Mitsprache und Mitbestimmung,“ sagte er damals.
Von Gaspreiskritikern im Umfeld der ersten drastischen Erhöhung
zum 1. Oktober 2004 zu einer Stellungnahme als Aufsichtsrat von Eon-Westfalen-Weser
gedrängt, zeigte sich Paus damals zwar nicht von der Anhebung der
Preise an sich überrascht, allerdings immerhin von ihrer Höhe.
„Sollte hier
das alte Sprichwort ,Durch Schaden wird man klug’ sich wieder
einmal als richtig heraus gestellt haben?“ fragte gestern in einer
Pressemitteilung die Sprecherin der Bürgerinitiative „Gaspreise
runter“, Roswitha Köllner, und wunderte sich im Namen der
Kritiker. „Oder befindet sich der Erste Bürger der Stadt
in einem Rollenkonflikt?“ Wie dem auch sei, die Bürger der
Stadt warteten auf seine Unterstützung in der Auseinandersetzung
um die Gaspreise. Köllner: „Die Bürgerinitiative würde
es begrüßen, wenn Heinz Paus am nächsten Samstag am
Infostand in der Westernstraße erscheint und eine Unterschrift
unter die ,Paderborner Erklärung’ leistet.“ Allein
am letzten Samstag hätten 200 Bürgerinnen und Bürger
unterschrieben. Man sei auch gespannt, ob der Infostand dann vor dem
Rathausbrunnen genehmigt werde, was bisher abgelehnt worden sei, und
wie sich Paus jetzt im Eon-Westfalen-Weser Aufsichtsrat verhalte. Die
Bürgerinitiative: „In letzter Konsequenz müsste er sich
wohl dafür einsetzen, die Anteile an den Stadtwerken zurück
zu kaufen.“
„Die Gassparte
ist endgültig verkauft“, meinte dagegen gestern Brigitte
Tretow-Hardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, die
sich ebenfalls über den vermeintlichen Wandel des Bürgermeisters
wundert. „Es war ein Fehler, der nie wieder korrigiert werden
kann. Diese Einsicht hätte unser Bürgermeister damals rechtzeitig
haben können. Die ganzen Argumente gegen den Verkauf, die sich
leider inzwischen bewahrheitet haben, haben wir in vielen Ratsdiskussionen
immer wieder dargelegt. Jetzt bleibt nur noch die Unterstützung
der Initiative ,Gaspreise runter’.“
Doch davon ist Bürgermeister
Heinz Paus weit entfernt. „So etwas wie die ,Paderborner Erklärung’
zu unterschreiben, bin ich schon häufiger gebeten worden. Ich halte
aber mehr davon, im Rahmen meiner Möglichkeiten im Aufsichtsrat
zu wirken. Das habe ich auch schon getan, so als es um ein Gutachten
zur Preisgestaltung ging.“ Seine Äußerungen in der
Diskussion um ein neues Kommunalwirtschaftsrecht seien so zu verstehen,
dass Gemeinden die Wahlmöglichkeit erhalten bleiben solle, kommunale
Unternehmen zu beauftragen. Der Verkauf der Stadtwerke sei auch heute
noch richtig.
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