Startseite  

Artikel in der Neuen Westfälischen vom 30.12.2005:

„Eon verkauft Kunden weiter für dumm“
Initiative spricht von ,,35 Prozent Abzocke in 15 Monaten“ und meldet Zweifel an ,,Zahlenspielereien“ an

Paderborn (NW). „Eon gibt Gas: 35 Prozent Abzocke in 15 Monaten.“ Mit diesen Worten bewerteten Roswitha Köllner und Peter Kunze, Sprecher der Paderborner Bürgerinitiative Gaspreise runter” gestern die von der Eon Westfalen Weser AG angekündigte Gaspreiserhöhung zum 1. Januar.

Damit habe wohl niemand gerechnet: Erst vor zwei Wochen habe der Versorger aufgrund eines eigenen Gutachtens den Gaskunden eine Rückzahlung wegen überhöhter Preise im ersten Halbjahr 2005 angekündigt – nun gehe das Unternehmen mit Zahlen an die Öffentlichkeit, wonach im Gasbereich sogar „Miese“ gemacht wordern seien. Um diese auszugleichen, habe das Unternehmen die nächste Erhöhung um 10,5 Prozent für den 1. Januar angekpündigt. „Das macht mindestens 35 Prozent Preiserhöhung in 15 Monaten“, rechneten die Sprecher der Initiative gestern in einer Erklärung vor.

Köllner und Kunze fragten, ob Eon sich in der Vergangenheit „wieder verrechnet“ habe und ob den auf einer Pressekonferenz des Unternehmens am Mittwoch vorgestellten „Zahlenspielereien“ überhaupt zu trauen sei. Für die Bürgerinitiative „Gaspreise runter“ jedenfalls lautet die Antwort „eindeutig Nein“. Köllner und Kunze: „Eon bleibt sich treu und verkauft seine Kunden weiterhin für dumm.“

Die aufgeführten Kosten im Bereich Bezug, Netz und Vertrieb seien lediglich Behauptungen, nicht überprüfbar „und geben schon beim ersten Hinsehen Rätsel auf“. So zweifeln die Sprecher der Initiative die angegebenen hohen Beschaffungskosten an. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit liege der mittlere Jahreswert der Grenzübergangspreise für 2005 ganz deutlich unter 2 Cent pro Kilowattstunde – im Gegensatz zu den von Eon kalkulierten 2,33Cent.

,,Gaspreise runter“ möchte gern wissen, welche Einzelposten sich hinter den Netzkosten verbergen, die einen wesentlichen Bestandteil des Preises ausmachen und in den letzten Wochen Gegenstand der Kritik gewesen seien.

Diese angebliche „Kalkulation“ sei „nicht akzeptabel und nichts anderes als Zahlenspielerei“. Bereits Eon Hanse habe bei der Offenlegung seiner Zahlen zugeben müssen, dass Privathaushalte und kleine Gewerbetreibende zugunsten der Industriebetriebe und Kraftwerke einen höheren Anteil an den Beschaffungs- und Netzkosten tragen. Das Vertriebsergebnis sei also immer davon abhängig, welche Kosten Eon den Privathaushalten zurechne. Hier habe das Unternehmen offensichtlich Ermessensspielräume – je nach gewünschtem Ergebnis.

Roswitha Köllner und Peter Kunze: „Will Herr Villis uns allen Ernstes weismachen, dass das Unternehmen im Gasgeschäft Verluste macht? Erst im Juli verkündete der Vorstandschef, er wolle den operativen Gewinn des Unternehmens von jetzt 58 Millionen auf 100 Millionen in vier Jahren steigern. Wo werden denn die Gewinne gemacht? Nach Eon’s Logik bliebe noch der Strombereich, in dem die Preise auch erhöht werden. Stromkunden aufgepasst!“

Die Bürgerinitiative erkenne diese „Kalkulation“ jedenfalls nicht an und bleibt hart. An die Adresse des Versorgungsunternehmens richteten die Sprecher diesen Rat: „Legen Sie eine nachprüfbare Kalkulation vor Gericht offen! Solange kein Richter über die Billigkeit der Gaspreise entschieden hat, zahlen wir nur nach den Preisen von vor dem 1. Oktober 2004.“

© Copyright 2005 Neue Westfälische.