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Artikel in der Neuen Westfälischen vom 04.11.2008:

Gasversorger unter Druck
Erste Anbieter kündigen Preissenkungen an

VON ANDREA FRÜHAUF

Bielefeld. Nach monatelangem Preisverfall beim Öl wächst der politische Druck auf Gasversorger, ebenfalls die Preise zu senken. Laut Bild-Zeitung spielen fünf der bundesweit 750 Anbieter den Vorreiter. Medl aus Mühlheim an der Ruhr senke den Gaspreis zum 1. Dezember um 6,7 Prozent, berief sich das Blatt auf das Verbraucherportal Verivox.

Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden spare so im Schnitt 118 Euro pro Jahr. Die Gasanstalt Kaiserslautern reduziere den Preis ab Dezember um 3,6 Prozent, gefolgt von den Stadtwerken Merseburg (minus 1,1 Prozent). Erdgas Schwabing Augsburg und Rheinenergie wollen im Januar 2009 nachziehen.

„Die teuersten fünf Anbieter senken die Preise“, sagte Arnd Oberscheven, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo, süffisant. „Eine Preissenkung ist für uns überhaupt nicht möglich.“ Zum 1. September hatten die Lemgoer den Gaspreis um 16,6 Prozent (bei 20.000 Kilowattstunden 214 Euro im Jahr) erhöht. Oberscheven: „Aber davor haben wir den Preis zweimal gesenkt.“ Auch Verivox erwartet bundesweit „eher steigende Gaspreise“.

Die Stadtwerke Bielefeld, die ihre Gaspreise erst zum 1. Oktober um 15 Prozent (204 Euro pro Jahr) erhöhten, erwägen zum 1. Januar eine weitere Preisrunde, da sich die derzeit sinkenden Heizölpreise verzögert auf die Bezugskosten der Stadtwerke auswirkten. „Aufgrund der Heizöl-Preisentwicklung im 2. und 3. Quartal 2008, die für die Erdgasbezugskosten ab 1. Januar 2009 der Stadtwerke maßgeblich ist, ergibt sich eine weitere Erhöhung der Gasbezugskosten“, heißt es. Der Aufsichtsrat wird am 10. November darüber entscheiden. Erst wenn die Heizölpreise längerfristig auf dem niedrigen Niveau bleiben oder weiterfallen, wollen die Stadtwerke die Preisvorteile vermutlich ab April 2009 an ihre Kunden weitergeben.

Dagegen nehmen die Stadtwerke Detmold „Margeneinbrüche“ in Kauf, um ihre Kunden in der Heizperiode vor Preiserhöhungen zu verschonen. „Wir müssten eigentlich zum 1. Januar die Preise erhöhen“, so Sprecherin Eva Susanne Ellminger. Doch der Preis soll auch im ersten Halbjahr 2009 stabil bleiben, sofern der Aufsichtsrat dem zustimme. Erst wenn der Ölpreis längerfristig günstig bleibt, erwarteten Kunden, die seit 1. August 15 Prozent mehr zahlen, Preissenkungen.

Eon Westfalen/Weser (Paderborn) hält an der geplanten Preisanhebung zum 1. Dezember um 0, 90 Cent pro Kilowattstunde (plus 11,5 Prozent) fest. „Hält die Entspannung beim Ölpreis an, werden wir unsere Gaspreise im kommenden Frühjahr wieder senken.“ Die Stadtwerke Herford sehen sich „im Trend“, planen zum 1. Januar eine weitere Preisrunde. Die Höhe sei noch offen. Zum 1. September stieg der Preis „moderat“ um 0,80 Cent, laut Verivox im Schnitt um 190 Euro (14,4 Prozent) im Jahr.

Der Gasversorger Westfalica (Bad Oeynhausen) plant wie die Stadtwerke Bad Salzuflen keine weitere Preiserhöhung. „Sollten die Ölpreise so günstig bleiben, werden wir die Einkaufsvorteile spätestens zum 1. April 2009 an unsere Kunden weitergeben“, so der Westfalica-Geschäftsführer Wolfgang Schneider. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, sieht dagegen Spielraum, die Tarife schon jetzt um 20 Prozent zu senken.

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