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Artikel in der Neuen Westfälischen
vom 29.07.2008:
Eon soll
Drohung zurück nehmen
Aufforderung der Bürgerinitiative Gaspreise runter
Paderborn
(NW/ph). 40 Gaspreis-Verweigerer waren in den vergangenen Wochen von
Eon Westfalen Weser aufgefordert worden, einen Teil der noch nicht gezahlten
Gasrechnung zu begleichen. Andernfalls könnte in dieser Woche die
Gaslieferung eingestellt werden (wir berichteten).
Dabei bezieht
sich das Energieunternehmen auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom
Juni des vergangenen Jahres. Demnach habe man den neuen Preis akzeptiert,
wenn er einmal vom Kunden voll bezahlt worden sei. Doch diese Rechtsauffassung
zweifelt die Bürgerinitiative Gaspreise runter ganz entschieden
an. Der Bezug auf das Urteil sei „mehr als wackelig“, meint
Roswitha Köllner, die Sprecherin der Initiative. Hinter diese Entscheidung
habe der Bundesgerichtshof mit seinem jüngsten Urteil vom 29. April
2008 selbst schon ein Fragezeichen gesetzt.
„Die
Drohung ist ein Rückfall in alte Zeiten, Herr Probst. Diese Herangehensweise
passt überhaupt nicht zu Eon’s Aussage, durch ein Urteil
in Dortmund Rechtssicherheit haben zu wollen“, spricht Roswitha
Köllner den Vorstandsvorsitzenden direkt an. Verbraucher auf diese
Art und Weise an der Wahrnehmung ihres gesetzlich verbrieften Rechts
zu hindern sei „eine zutiefst undemokratische Vorgehensweise“.
Deshalb
fordere die Initiative den Energieversorger auf, das Schreiben an die
betroffenen Kunden bis zu einem rechtskräftigen Entscheid in Dortmund
„umgehend zurückzuziehen“. Betroffenen rät die
Initiative andernfalls , entweder ihre Rechtsschutzversicherung in Anspruch
zu nehmen und mit anwaltlicher Unterstützung eine einstweilige
Verfügung zu erwirken, oder den von Eon als „unstrittig“
bezeichneten geringeren Betrag zu zahlen – allerdings „mit
dem schriftlichen Hinweis, dass ohne Anerkennung einer Rechtspflicht
und unter dem Vorbehalt der Rückforderung gezahlt wird“.
„Sieht
Eon den Prozess in Dortmund schon verloren und verfällt deshalb
wieder in Angstmacherei gegenüber seinen Kunden? Oder warum ändert
der lokale Energieversorger überraschend in der Sommerpause seine
Strategie im Umgang mit Gaspreisverweigerern und schwingt wieder die
Angstkeule, indem die 40 Verweigerer per Brief mit dem Abdrehen des
Gashahnes gedroht wird?“, fragt Roswitha Köllner und bezieht
sich dabei auch auf die Äußerung von Michael Wippermann,
dem Unternehmenssprecher von Eon Westfalen Weser. Der hatte gegenüber
der NW erläutert, dass es für das Unternehmen an dem schriftlich
mitgeteilten Stichtag juristisch möglich sei, das Gas abzudrehen.
Das heiße aber nicht, dass man das auch tue. „Geht es noch
deutlicher? Den Verweigern Angst einzujagen statt auf das juristische
Ergebnis aus Dortmund zu warten, das ist der Sinn und Zweck der Aktion“,
ist die Initiative überzeugt.
„Gaspreis
seit Oktober 2004 um 75 Prozent gestiegen“
Derweil
machen die Paderborner Gaspreis-Gegner weiter Furore in den Medien.
Erst in der vergangenen Woche drehte das ZDF bei einer Privat-Familie
in Paderborn – unter anderem auch, weil sich die Bürgerinitiative
mit ihrem über dreieinhalb jährigen Kampf gegen die Gaspreise
längst bundesweit einen Namen gemacht hat.
In diesem
Zusammenhang weist Fritz Buhr von den Gaspreis-Gegnern erneut darauf
hin, dass Eon Westfalen Weser nach seiner letzten Preiserhöhungen
vom 1. Januar 2008 um 10 Prozent und der in wenigen Tagen anstehenden
15-prozentigen Erhöhung zum 1. August, seit dem 1. Oktober 2004
die Gaspreise durchschnittlich um 75 Prozent in die Höhe geschraubt
habe. Das habe Peter Sprockhoff von der Bürgerinitiative ausgerechnet.
„Für
viele Bürger wird es daher im Januar ein böses Erwachen geben,
wenn sie mit der neuen Jahresrechnung für 2008 konfrontiert werden,
fürchtet Buhr. Eine „gepfefferte Nachzahlung“ werde
ihnen sicher sein, weil die anstehende 15-prozentige Erhöhung in
den Abschlagszahlungen noch nicht berücksichtigt worden sei.
Daher empfiehlt
die Initiative weiter, „die von Eon geforderten Erhöhungen
nicht zu zahlen, bis die Berechtigung der Preiserhöhungen vor Gericht
geklärt ist“.
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Copyright 2008 Neue Westfälische.
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