|
Artikel in der Neuen Westfälischen
vom 05.11.2007:
Kartellamt:
Strompreise manipuliert
Energiekonzerne weisen Vorwürfe zurück
Hamburg
(AP). Das Bundeskartellamt hat nach Informationen des Spiegels Indizien
für Preismanipulationen und Absprachen der vier großen Stromkonzerne
in Deutschland. Das Magazin bezieht sich auf einen bisher unbekannten
Schriftsatz der Behörde, in dem schwere Vorwürfe gegen die
Energieversorger erhoben würden. Das Unternehmen Eon erklärte,
man habe bereits belegt, dass die Vorwürfe unzutreffend seien.
Laut Spiegel
hat das Kartellamt zahlreiche Indizien und Belege dafür zusammengetragen,
dass führende Manager und Vorstandsvorsitzende der Strombranche
zwischen 2003 und 2006 in geheimen Runden sensible Geschäftsgeheimnisse
und -strategien austauschten. Außerdem seien detaillierte Absprachen
über das Vorgehen auf unterschiedlichsten Märkten getroffen
worden. Zumindest Branchenführer Eon soll sogar versucht haben,
die Preise für Strom „maßgeblich zu beeinflussen“.
Dem Bericht
zufolge hatte das Kartellamt Beweisstücke ausgewertet, die 2006
bei Durchsuchungen der Stromkonzerne durch die EU-Wettbewerbskommission
entdeckt wurden. Daraus gehe auf „eindrucksvolle Weise“
hervor, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt durch „kartellrechtlich
unzulässige Kooperationen“ weitgehend verhindert werde, heißt
es. Statt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, seien Strategien, Preise
und auch Versorgungsgebiete mit Billigung und möglicherweise sogar
auf Anweisung der damaligen Chefetagen abgestimmt worden.
Laut Spiegel
fanden die Kartellwächter Indizien dafür, dass Eon den Strompreis
mit gezielten Käufen und Verkäufen großer Strommengen
und Stilllegungen von Kraftwerken manipuliert haben könnte. Sollte
sich auch nur ein Teil der Vorwürfe bestätigen, müssten
die Konzerne mit milliardenschweren Bußgeldern und Schadenersatzklagen
rechnen. Auf Nachfrage bestritten alle Konzerne Absprachen, Preismanipulationen
und kartellrechtlich bedenkliche Treffen, so der Spiegel.
Die Sprecherin
des Bundeskartellamts, Silke Kaul, bestätigte die Existenz des
Schriftsatzes, der im Rahmen eines Fusionsverfahrens erstellt worden
sei. Es geht dabei um die Pläne Eons, sich an den Stadtwerken Eschwege
zu beteiligen, was das Kartellamt abgelehnt hatte. Das Oberlandesgericht
Düsseldorf hatte die Ablehnung bestätigt
©
Copyright 2007 Neue Westfälische.
|