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Kommentar in der Neuen Westfälischen
vom 13.03.2007:
KOMMENTAR
Preistreiberei an der Strombörse
Auf Kosten der Verbraucher
ANDREA FRÜHAUF
Stromhändler
räumen das abgekartete Spiel seit langem ein. Nur der Beweis fehlte.
Selbst wenn der dubiose Insider, der der Öffentlichkeit Informationen
über die Preistreibereien an der Strombörse zuspielte, rechtswidrig
handelte, weil er Geschäftsgeheimnisse verraten hat, war dies im
Sinne der Verbraucher.
Die Preistrickserei
funktioniert nach den Gesetzen des Marktes. Die vier großen Konzerne,
die sich den Markt in Deutschland aufteilen, speisen an der Strombörse
ihren selbst erzeugten Strom ein – und kaufen ihn anschließend
über Mittelsmänner für den Großhandel zurück.
So steigt die Nachfrage. Und damit der Preis.
Eine geringe
Angebotsverknappung sorgt bereits für heftige Ausschläge an
der Strombörse. Selbst wenn die Konzerne für den Rückkauf
ihres eigenen Stroms mehr bezahlen müssen, verdienen sie am Ende
prächtig. Sie können damit nicht nur neuen Strom teurer einspeisen,
sie lassen auch den Strompreis außerhalb der Börse steigen.
Und davon profitieren wiederum die Stromhändler.
Die vier
Stromriesen RWE, Eon, Vattenfall Europe und EnBW erreichen zusammen
bei der Stromerzeugung einen Marktanteil von knapp 90 Prozent. Wettbewerb
ist so gut wie ausgeschlossen. Kleinere Versorger, die selbst keinen
Strom produzieren, sind den großen Konzernen ausgeliefert. Sie
müssen notgedrungen den teuren Strom an ihre Kunden weiterleiten.
Im internationalen
Vergleich sind die Strompreise in Deutschland viel zu hoch. So kostete
die Kilowattstunde Strom im vergangenen Jahr in der Schweiz 12 Cent,
in Großbritannien 15 Cent und in Deutschland 20 Cent. Der durchschnittliche
Privathaushalt in Deutschland zahlt pro Jahr 280 Euro mehr als der in
der Schweiz. Und die Konzerne finden immer neue Entschuldigungen für
die Verteuerung der Energie und immer wieder namhafte Vertreter aus
der Politik für ihre Lobbyarbeit. Nur Transparenz bieten sie nicht.
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